Der Insider


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Das Märchen von der kleinen Steg-Prinzessin Ceren
2.3.2009

Sengül und Muhammet Denizli betreiben des Loryma Restaurant in der Nordecke der Bozukkale Bucht. Sie haben zwei Kinder: Ceylan und Ceren. Ceylan, die ältere Schwester, handelt mit Thymian, Honig und Tüchern vom Holzkahn aus - Gäste auf Yachten und Gulets sind ihre Kunden. Ceren, gerade mal 10, versucht es ihr nach zu machen, lernt ganz schnell ein wunderbar schön klingendes Englisch und lockt mit hin und her geschwenktem roten Ballon, auf schwankenden Holzkahn balancierend, einlaufende Yachten an den Holzsteg des Familienrestaurants.

Kommt eine Yacht heran, hilft sie beim Festmachen; wenn der Wind zu heftig drückt, packen auch Baba Muhammet und Anne Sengül mit an. Anschließend rudert sie ihren Kahn längsseits an die Yacht und breitet ihr Warenangebot aus: Tücher und Bänder, Armreifen und handgemachte kleine Kelims, Mandeln in der Tüte und Oliven im Glas. Das alles tut sie mit so viel Charme und frischem Witz, das man verzaubert wird und gerne zum Abendessen ins Restaurant kommt.


August 2007: Gemütlich sitzen wir vor der alten Mauer des verfallenen byzantinischen Anwesens und bekommen - während der Ziegenbraten im Feuer schmurgelt - folgende Geschichte zu hören: Vor einigen Tagen war Hüseyin Simsek, Direktor des Marmara Kollleg aus Istanbul als Gast auf einer Gulet in der Bucht und hat Ceren kennen gelernt. Wie wir ist er vom Charme und der sprühenden Intelligenz des Kindes entzückt. Ergebnis des munteren Gespräches, das wohl auch eine kleine Prüfung gewesen ist, ohne dass Ceren etwas davon gemerkt hat: weil das Kind so überdurchschnittlich fähig und sprachbegabt ist, muss es gefördert werden und eine gute Schulbildung bekommen.

Dem Kolleg-Direktor ist schnell klar, dass die Eltern kaum in der Lage sind, von dem was das Restaurant nach Abzug der hohen Pacht (ca 30.000 EUR pro Saison) abwirft, den Schulbesuch ihrer Kinder auf einem gehobenen Kolleg zu bezahlen. So schlägt er vor, den Kollegbesuch der kleinen Ceren aus dem Fundus zur Förderung begabter Kinder zu bezahlen, den die Schule für solche Fälle aufgelegt hat. Wouh!

Im September 2007 fahren Mama und Tochter zusammen nach Istanbul, besichtigen das Kolleg, beziehen ein kleines 3x3 Meter großes Zimmer, hängen ein paar Bilder auf - dann reist Mama wieder ab. Familie und Freunde sind gespannt wie das clevere Aschenputtel aus dem kleinen Dorf Sögüt auf der Loryma-Halbinsel den Übergang in die Großstadt und aufs Internat schaffen wird. Von den Eltern hat sie jede moralische Unterstützung - die beiden sind stolz auf ihre kluge und quirlige Tochter. Alle versichern sich gegenseitig ständig des großen Glücks, das die Kleine hat und hoffen, dass sie durchhält und nicht vor lauter Heimweh schon nach wenigen Wochen wieder nach Hause will. Bei unserem Kennenlernbesuch darauf angesprochen warf sie entschlossen den Kopf zurück und sagte: "Yok - istiyorum!" (- nein, ich will!).

Juni 2008: Wieder sitzen wir an der alten Mauer vor der roten Fahne mit dem Bild Atatürks und wollen wissen wie es Ceren geht. Mama Sengül strahlt: "Iyi, çok iyi!". Die ersten Monate bis November habe es viele Tränen gegeben - im fernen Istanbul und hier im Dorf. Aber jetzt habe Ceren es geschafft, sie sei in allen Fächern gut (sie holt die Zeugnisse und zeigt sie uns) und habe inzwischen auch einige Freundinnen. "In zwei Wochen sind Sommerferien, dann kommt sie nach hause in die Bucht", strahlt Sengül. Ganz bestimmt locke sie dann wieder die Yachten an den Holzsteg... Ceylan, die große Schwester, knetet den Teig für's täglich frische Holzofenbrot und strahlt: "Wir sind alle sehr, sehr glücklich!"

Winter 2009
Nun ist es endgültig: das Loryma Restaurant wird entweder geschlossen oder bekommt einen neuen Pächter. Der Vermieter wollte zu viel Miete haben (die Gerüchtküche munkelt von 30.000 EUR). Das konnte der kleine Familienbetrieb nie und nimmer erwirtschaften. Papa Muhammet wird wieder als Kaptan auf einer Gulet anheuern und Mama Sengül wird mit der großen Tochter Ceylan wieder ins Buchten-Tücher-Mandel-Geschäft-mit-dem-Ruderboot einsteigen. Inshallah hält Ceren in Istanbul durch. Wir drücken ihr ganz fest die Daumen.

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Kommentar dazu:



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Loryma - Bozukkale - Serçe

Tanja Sch., 09.08.2011
2009 las ich zufällig diese Geschichte hier. Da Cerens Familie und Verwandte gute Freunde von mir sind, freute es mich um so mehr, dass hier über Ceren geschrieben wurde. Sie hat wirklich Glück gehabt, aufs Marmara-Koleji in Istanbul gehen zu können. Bis heute zieht sie das mit viel Erfolg durch und inzwischen kann sie sogar deutsch mit mir reden. Sie ist wirklich unglaublich klug und fleißig. Ich bin sehr froh, dass sie dieses Glück hatte, "entdeckt" zu werden. Liebe Grüße Tanja.

Michel Fromentin, 24.02.2011
Welch eine schöne Geschichte! Gibt es doch noch Leute mit Herz! Wir freuen uns die Türkei dieses Jahr anzulaufen. Vielen Dank für Ihre Site, es hilft uns sehr. Und vielleicht machen wir uns bekannt! Freundliche Grüsse. Michel und Michel Fromentin auf SY Hermione, zurzeit auf Creta.

Rainer Jüttner, 27.9.2010
Auf dem Rückweg machten wir in der Bozukkale Bucht halt und hatten zum Kochen eingekauft. Beim Ankern kam uns der neue Wirt des Loryma Restaurant in der Nordecke mit dem Boot entgegen und überredete uns trotz dem wir ihm erklärten, dass wir selbst kochen und nicht bei ihm essen werden, mit unseren beiden Schiffen an seinem Steg kostenlos festzumachen. Er war sehr freundlich und hilfsbereit und es verwundert mich, dass sein Restaurant das einzige war, das an diesem Abend leer war, obwohl die beiden anderen gut belegt waren. Wir hatten dann doch noch etwas Mitleid mit ihm und nahmen wenigstens ein paar Drinks und die Vorspeisen bei ihm ein. Lecker und preiswert. Im Winter möchte er umbauen und bessere Toiletten anbieten (was auch nötig ist).

Rainer Jüttner, 27.9.2010
In Serçe Limani hatten wir mit dem Wirt in der Nordecke ein leider unerfreuliches Erlebnis. Nachdem er uns auf vorherige Nachfrage erklärte, dass im Preis "alles" (außer Getränke) enthalten sei - Fleisch, Fisch, Dessert und Kaffee - und es Vorspeisenbuffet für alle gibt, sah es bei der Abrechnung dann doch etwas anders aus. Das magere und bereits abgegraste Vorspeisenbuffet wurde extra abgerechnet und die gesamte Rechnung war nicht richtig nachvollziehbar. Im Endeffekt lag der Gesamtpreis dann ziemlich genau beim Doppelten eines der teureren Restaurants in Bozburun, das in der Auswahl vielfältiger und qualitativ deutlich besser war. Unser Fazit daraus: Buchtenrestaurants in Zukunft meiden, denn in den Häfen herrscht deutlich mehr Konkurrenzkampf, so dass hier das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt und in den Buchten lieber selbst kochen.

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Best places to go


Zu Skippers Lieblingsbuchten an der Küste (wird laufend ergänzt)

nördlich von Bodrum: Gümüslük | Iassos | Ilica Bükü | St. Paulsbucht | Körmen Adasi

zwischen Bodrum und Marmaris: Karacasögüt | Nasenbucht | DegirmenBükü | Kaptans Place | Turgut Restoran

Çatibucht |
Palamut | Hayit Bükü | Dirsek Bucht | Aurora Selimiye | Selimiye | Sailors Paradise

Fanari-Restaurant | Bozukkale | Pupa-Marina  zwischen Marmaris und Fethiye: My Marina | Asi Koyu | Dalyanfluss

Tersane (Fethiyegolf) | Boynuz Bükü  | Gemiler Insel | Kaltwasserbucht | verlassenes Kayaköy

zwischen Fethiye und Antalya: Kas | Üçagiz und Kale | Tersane (Kekova) | Gökkaya

Dodekanes: Insel Symi | Insel Gaidaros | Kastellorizon 




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