Der Insider

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Nochmal vor Saisonbeginn: Aus- und Einklarieren Türkei-Griechenland
(24.3.2007)



Am 25.03.2007 um 18:13 schrieb Horst Sch.:

Hallo Insider,

zuerst mal ein Kompliment für die tolle und sehr informative Website.
 
Jetzt meine Frage: Unser Boot liegt in Marmaris und ich möchte mit Freunden und Familie den einen oder anderen weiteren Törn segeln. Wenn ich zum Beispiel von Marmaris nach Symi segle und in einer Bucht von Symi ankern und übernachten will, muss ich dann zuerst in der Türkei ausklarieren und dann einen griechischen Port of Entry aufsuchen und dort einklarieren?
Oder wenn ich von Marmaris kommend Rhodos umrunden will, muss ich das selbe Prozedere machen, da ich ja dann in griechischen Gewässenr bin?
Muss ich generell, wenn ich türkische Gewässer verlasse, um zwischen den griechischen Inseln zu segeln, ein- und ausklarieren?
 
Vielleicht könne Sie mir helfen, besten Dank im Voraus.
 
Horst Sch.



Am 26.03.2007 um 08:54 schrieb Udo Hinnerkopf:
Hallo Herr Sch.,

Danke für das Kompliment, es ist immer sehr schön, wenn man eine positive Resonanz bekommt :-)

Zu Ihrer Frage: Es gibt Segler, die sagen "bosver", was hier in der Türkei so viel heißt wie "was soll's!", und die einfach drauf los fahren ohne ein- bzw. auszuklariert zu haben. Von denen, die das so erzählen ist noch nie einer erwischt worden. Aber ich  kenne auch zwei Skipper, die sind erwischt worden und die haben hinterher gesagt "nie wieder!" 

In 98% der Fälle geht es gut. Die Entscheidung liegt bei Ihnen. Die Gewässer hier sind die Außengrenze der EU. Es gibt jede Menge Schmuggel, vor allem Menschen werden von Ost nach West befördert - und diese Schiffe immer wieder aufgebracht und die Menschen zurück befördert. Wie Sie überall an der Küste beobachten können hat die türkische Sahil Güvenlik (Küstenwache) mächtig aufgerüstet (= schnelle Boote, überall Stationen, mehr Personal). Der Grund ist nicht, in Seenot geratenen Skippern zu helfen, sondern den illegalen Transfer zu unterbinden.

Sie müssen selbst entscheiden, ob Sie den heißen Tipps der "Küstenkenner" folgen und nicht ausklarieren, wenn Sie die türkischen Gewässer Richtung GR verlassen und drüben nicht einklarieren... Oder ob Sie den Gesetzen der Vernunft folgen und es tun.

Details zum Procedere finden Sie auf meiner Internetseite unter dem Link "Behörden".
Einen sonnigen Gruss aus Bodrum
Udo Hinnerkopf



Am 27.03.2007 um 14:03 schrieb Horst Sch.:
Hallo Herr Hinnerkopf,
 
vielen dank für die prompte Antwort, aber jetzt muss ich nochmals ganz dumm fragen:
 
Wenn ich von Maramris auslaufe, um Rhodos zu umrunden, befinde ich mich doch recht bald in griechischen Gewässern - muss ich zuerst in den Port of Entry zum Einklarieren und muss dann sofort wieder ausklarieren, um weitersegeln zu können. Im Klartext: nach Rhodos rein, das ganze Prozedere durchziehen, und dann wieder dasselbe, denn ich will ja nicht in Rhodos bleiben.

Was ist wenn ich z.B in die Nacht ankomme und wahrscheinlich die Ports of Entry alle geschlossen sind? Darf ich dann nirgends rein in eine Bucht oder Marina? Heißt das, ich muss auf offener See herumkreuzen bis zum nächsten Morgen? Das erscheint mir sehr unpraktikabel… Wie viele Yachten sind schon so aufgebracht und die Skipper verhaftet worden?
 
Wie sieht bitte wirklich die Praxis aus? Bei den vielen Inseln der beiden Staaten ist man ja den ganzen Tag in den Behördenstuben unterwegs und zahlt unentwegt Gebühren und Abgaben - zuzüglich der Anlegegebühren in den Marinas, oder?
Ich habe gehört, dass wenn ich nicht länger als 24 Stunden verweile, kein Einklarieren notwendig ist.
 
Wie gesagt schon sehr anstrengend und nervenaufreibend der Grenzverkehr.
 
Gruss aus Innsbruck
 
Horst Sch.



Am 28.03.2007 um 19:07 schrieb Udo Hinnerkopf:
Hallo Herr Schranz,

wenn Sie aus der Türkei auslaufen, müssen Sie ausklariert haben. In Griechenland müssen Sie direkt zum ersten Port of Entry, egal ob Tag oder Nacht. Wenn Sie nachts ankommen, machen Sie dort fest und gehen nach dem Frühstück zum Einklarieren wenn die Amtsstuben aufmachen (meist gegen 9 Uhr).

Wenn Sie rund Rhodos segeln sind Sie grundsätzlich immer in griechischen Gewässern. Um vom Haupthafen Rhodos los zu segeln müssen Sie nicht wieder ausklarieren - Sie bleiben ja in Griechenland.

Schauen Sie bitte auf meiner Seite unter Behörden nach, da finden Sie alles zum Ablauf. Sie brauchen in Griechenland ein Transitlog (siehe http://www.insidersegeln.de/behoerden/Pleasur.html) Das gilt, bis es voll gestempelt ist, was unter Umständen 5 Jahre und länger dauern kann...

Gebühren zahlen Sie dafür nur einmal (ca 30 EUR für das Papier) und bei jedem neu ins Land kommen ca. 16 EUR beim Hafenmeister, mehr nicht (Ausnahme ist nur Pythagoreion auf Samos wo beim Zoll noch mal eine variable Gebühr von bis zu 30 Euro dazu kommen - siehe klick). Wenn Sie zwischen den Inseln bleiben und das Land nicht verlassen, zahlen Sie nur Liegegebühr in den Häfen, die sich im Rahmen halten.  Marinas gibt es in der Ägäis nur in Kos und auf Samos, alles andere sind Fischer- und Gemeinde-häfen. Wenn Sie aus Griechenland ausklarieren zahlen Sie überhaupt nichts.

Die Frage wieviel Skipper schon aufgebracht wurden habe ich Ihnen bereits beantwortet - in Prozenten. Sie können es ja gerne ohne Ein- und Ausklarieren machen. Nur sagen Sie hinterher nicht, ich hätte es Ihnen nicht gesagt.

Wo haben Sie das denn mit den 24h und nicht Einklarieren her?

Grüße
Udo Hinnerkopf



Hier noch Auszüge aus der Korrespondenz mit einem anderen Skipper, der von einem Besuch auf der griechischen Insel Gaidaros erzählt:

Unser weiterer Weg fürte uns nach Gaidaros, wo wir (noch nicht in GR einklariert) von der Küstenwache kontrolliert wurden. Die Beamten waren freundlich und wiesen darauf hin, das wir am nächsten Tag gleich in Samos einklarieren müssten. Das Einklarieren in Samos war wie üblich problemlos, kostete allerdings in Summe (Zoll und Hafenamt) ca 70,- EUR. Am nächsten Tag ging es weiter nach Arki. Hier ankerten wir in der Bucht südlich des Hafens und hatten in der Nacht ein grandioses Planktonleuchten.


Meine Antwort: Interessant ist, was Sie über Gaidaros und die griechische Küstenwache dort erzählen. Es wird nämlich im Internet ziemlich viel losgelassen über das Pendeln zwischen beiden Ländern und wie unwichtig es sei, offiziell ein- bzw. auszuklarieren. Ich kann dazu nur sagen: nicht leichtsinnig sein, lieber ein paar Euro bezahlen und man ist auf der abgesicherten Seite. Es kann nämlich auch ganz schön brenzlig werden, wenn man auf eine Küstenwache trifft, die in der Sache kein Pardon kennt - alles schon passiert. Sollten Sie Zugang zum http://www.mittelmeer-skipper-forum.de/ haben, gehen Sie doch mal auf folgenden Link http://www.mittelmeer-skipper-forum.de/viewtopic.php?t=3010, Thema "Erlaubt, geduldet, verboten" und erzählen Sie von Ihren Erfahrungen.

Seine Antwort: Das Einklarieren in GR ist überall unterschiedlich und hängt von der Tagesform der Beamten ab. So konnte ich in Symi - dank eines Fußballspieles, das gerade im TV lief - innerhalb von 2 Minuten einklarieren. In Samos hatte es auf der Polizeiwache auch schon mal 2 Stunden gedauert, weil ein Mädchen sämtliche Buchstaben und Zahlen der Ausweise einzeln in den veralteten PC tippte.

Gaidaros hatten wir ursprünglich gar nicht vor, sondern wollten bei Akabük übernachten und am nächsten Tag in Samos einklarieren. Da wir gut in der Zeit lagen, und tollen Wind hatten, entschieden wir uns doch noch weiter zu segeln. Die Beamten waren wie gesagt, sehr freundlich und fragten gleich "...you came in because of the bad weather?", was hier eigentlich überhaupt nicht "bad" war.
 
Das schlechteste Erlebnis beim Einklarieren hatte ich im Oktober 2001 auf Kastellhorizon. Der Diensthabende war nach dem Anlegen nicht aufzutreiben und erschien erst kurz nach Einbruch der Dunkelheit zähnefletchend am Schiff. "Papiere!" war alles was er zwischen den Zähnen herauspresste. Nachdem ich ihm die Papiere zeigte, gab er mir mittels seines Taschenrechners zu verstehen, dass er 358,- (damals noch DM, nein, keine Drachmen) von mir haben wollte. Ich nahm die Papiere, bedankte mich bei ihm und legte trotz Dunkelheit ab nach Kas.

Außer uns lag damals nur eine zypriotische Yacht und eine mit österreichischer Crew an der Mole. Der Wirt, vor dessen Taverne wir lagen, hatte Tränen in den Augen, als er seinen Tagesumsatz schwinden sah und hinter uns legten die Österreicher ebenfalls ab. Wir hatten Glück und erwischten tatsächlich noch den letzten Platz in Kas. Die Öschis nahmen wir dann an unseren Bug. Aus früheren Törns kannte ich Kastellhorizon immer als sehr liberal. Güllets lagen dichtgedrängt und einklarieren gab es nicht. 2003 war dann die Mole ebenfalls schon wieder recht voll und es ließ sich kein Beamter blicken. Die Wirte waren glücklich und die Preise dementsprechend angepasst.

Ein Yachteigner aus der Schweiz schreibt:
Ich lese immer Ihre Berichte, die ich sehr spannend und informativ finde. Weiter so, es ist super! Ich habe vor 3 Wochen meine neue Yacht in der Marti Marina übernommen und segele unter schweizer Flagge (also Nicht-EU-Land).

Nun beschäftigt mich folgende Frage: Wenn ich von der Türkei nach Griechenland möchte, muss ich in der Türkei ausklarieren auch wenn ich einige Tage später wieder in die Türkei zurück komme? Dass ich in Griechenland (z.B. in Symi) einklarieren und auch wieder ausklarieren muss, ist mir klar.

Unter Seglern in der Türkei hört man immer wieder, dass sie nicht ausklarieren und es damit keine Probleme gibt. Gesetzlich gesehen ist dies sicher nicht der richtige Weg, anderseits ist es ja auch verständlich, wenn in der Türkei nicht aus- und einklariert wird, denn es kostet ja auch jedesmal Geld und Zeit. Anderseits stellt sich auch die Frage, ob die griechischen Behörden anhand der Pässe feststellen, ob ich in der Türkei ausklariert habe? Und was könnten die Konsequenzen sein?

Der Chef einer Charterfirma in der Türkei hat mir dieses Jahr gesagt, man müsste in der Türkei aus- und wieder einklarieren, aber das mache niemand.

Für eine Antwort diesbezüglich wäre ich Ihnen dankbar.
Viele Grüsse aus der Schweiz
R.V.


Antwort Insider an Skipper:Ich kann nur bestätigen, was der Chef der Charterfirma gesagt hat: Sie MÜSSEN ein- und ausklarieren, und wieder einklarieren.. usw.

Wenn Sie das nicht tun und Sie werden erwischt, tragen Sie die Verantwortung und das Risiko. Einer Crew, die man auf Chalki "erwischt" hatte (weil sie kein Einklarierungspapier von Rhodos vorweisen konnte), drohte die Hafenpolizei mit EUR 32.000 Strafe. Ich kenne niemanden, der bisher zahlen musste - aber wenn... Dann können Sie sich auf niemanden herausreden im Sinne von "aber der und der hat mir das so und so gesagt". Verstehen Sie das Dilemma der Berater?

Ich kenne Leute, die reisen in der Türkei mit ihrem Reisepass ein, klarieren nicht aus, und zeigen in Griechenland den Personalausweis... auf ihr Risiko. Mehr kann ich dazu nicht sagen.

Einen sonnigen Gruss aus dem Süden
U.H.

Antwort an einen anderen Skipper, der genau die gleiche Frage gestellt hat:
Natürlich war es schon immer möglich zwischen türkischen Port of Entrys und griechischen Port of Entrys hin und her zu segeln. Ich bin seit 1978 im Revier und habe dies all die Jahre immer wieder getan. Allerdings immer offiziell. Das hei§t, wenn ich Crews an Bord hatte, haben wir immer in der Türkei wie gefordert ausklariert (siehe dazu auch weiter unten) und in einem griechischen Port of Entry einklariert. Nur dies kann ich auf Anfragen mitteilen, weil nur dies der legale Weg ist.

Dass es dennoch Segler gibt, die nicht den vorgegebenen Weg gehen, ist eine andere Geschichte und darf weder von mir noch von einer Zeitschrift (der YACHT zum Beispiel) empfohlen werden. Würde der Leser nämlich erwischt, wäre das Geschrei gross. Allerdings sind die Kontrollen spärlich, sowohl auf türkischer wie auf griechischer Seite. Bedenkt man, dass dies Europas Au§engrenze ist, sage ich sogar: die Kontrollen sind lasch.

Aber: hat man einen Schaden, fallen Motor und/oder Segel aus oder das Ruder klemmt und man kann es mit Bordmitteln nicht beheben, und ist gezwungen einen grösseren Hafen (irgendwie) zu erreichen, dann kann es eng werden. Ich kenne Segler, die fahren schon seit Jahren zwischen TR und GR hin und her und haben noch nie ein- oder ausklariert. Glück gehabt!

Jegliche Auskunft, die Sie einfordern, kann nur den offiziellen Weg beschreiben. Ich denke, Sie haben Verständnis dafür.

Ich grüsse Sie herzlich aus der Sonne
U.H.


Es wäre das schönste Revier der Welt...
...phantasiert Skipper Hoimar von der SEALORD und meint das Revier zwischen türkischer Küste und den vorgelagerten griechischen Inseln des Dodekanes. "Wenn man da einfach hin- und herkreuzen könnte wie der Wind weht und es einem gerade in den Sinn kommt!"

Das wäre in der Tat phantastisch: heute Orient, morgen Okzident. Heute Kirchenglockenläuten, gestern der Singsang der Muezzine von den Minaretts. Einen Abend Ouzo, den anderen Raki. Meze (Vorspeisen) hier und dort. Baklava sowieso. Wie viel Gemeinsames gibt es zwischen diesen beiden Mittelmeerländern, wieviel Unterschiedliches? Es wäre ein Vergnügen, könnte man dies von Tag zu Tag neu entdecken und erleben.

Aber ganz so einfach ist es doch nicht. Zwar können jetzt auch Charteryachten aus der Türkei in griechischen Gewässern segeln - und umgekehrt. Aber der Ein- und Ausklarierungsaufwand ist doch noch beachtlich. Es lohnt sich nur, wenn man mindestens für ein paar Tage ausreisen kann, das heißt, wenn der Zeitplan nicht allzu knapp ist. Denn vor die Ausreise haben Zoll, Passpolizei, Hafenmeister und teilweise auch die Haftenärzte auf beiden Seiten ihre Stempel gesetzt.

Hier deshalb nochmal die wichtigen Regeln, die zu beachten sind. Zunächst die Port of Entries, in denen ein- und ausklariert werden kann:

türkische Port of Entries: griechische Port of Entries:
Ayvalik Chios
Çesme Samos (Vathy)
Kusadasi Samos (Pythagoreion)
Güllük Patmos
Yalikavak (Marina) = geplant Kos
Turgutreis (D-Marina) Symi
Bodrum Rhodos
Datça Kastellorizon
Marmaris
Fethiye
Kas
Finike
Kemer
Antalya

Von der Türkei nach Griechenland:

Das Ausklarieren im türkischen Port of Entry geht folgendermaßen vonstatten:

Im Transitlog wird das hintere Blatt Yachts Departure from Turkish Ports ausgefüllt (Namen und Passnummern der Crew und Zielhafen in Griechenland). Dann sind vier Stationen aufzusuchen:
1. Station Hafenarzt, erkennbar an der gelben Flagge an seinem Haus. Dort werden die Daten der Yacht und des Schiffes im Computer erfasst und das Transitlog abgestempelt.
2. Station Passpolizei. Crewliste ausfüllen, Erfassen der Crew im PC und Überprüfung deren polizeilicher Unbescholtenheit. Überprüfen des Eingangstempel (giris) in den Pässen (höchste Aufenthaltszeit 3 Monate - wurde diese überzogen ist eine Strafe fällig; man kann bei längerem Aufenthalte vor Ablauf der 3 Monate Verlängerung um weitere 3 Monate beantragen). Dann der Ausgangstempel (gidis) in die Pässe; dann wird das Transitlog auf der ersten Seite gestempelt und die Passpolizei behält die Crewliste sowie ein Kopieblatt des Transitlogs.
3. Station: Hafenmeister. Ebenfalls Stempel ins Transitlog und ein Beleg über 12 YTL (ca € 7), falls die Yacht größer als 10,5 t ist; kleinere Yachten zahlen nichts.
4. Station Zoll (gümrük), der die Inventarliste auf dem Transitlog überprüft und dann seinen Stempel auf das Transitlog drückt. Eine Kopfnicken - fertig. Wir können starten, vorausgesetzt die Liegegebühr in der Marina wurde bezahlt. Wichtig: Das dünn gewordene Transtilog, das man mit dem Ausklarierungsbeleg zurück bekommt, sollte aufgehoben werden, falls man vor hat (Charteryachten!) wieder in die Türkei einzureisen, da dies bei der Einreise mit dem neuen Transitlog, das dann gekauft werden muss auszufüllen ist.
Man kann übrigens das ganz Procedere durch eine Charteragentur abwickeln lassen. Dann hat man keine Lauferei und zahlt zum Beispiel bei Pupa in Bodrum, Turgutreis, Marmaris und Göcek 125 EUR für die Abwicklung.

Im griechischen Port of Entry ist der Einklarierungs-Ablauf folgendermaßen:

1. Station Zoll (Customs)
Der Zöllner fragt nach Waffen an Bord, dem Schiffsinventar, wieviel Treibstoff an Bord ist und wieviel Spirituosen und Zigaretten. Unter Umständen (aber selten) kommt er mit zum Schiff, um sich alles zeigen zu lassen. Er stellt ein Papier aus, auf dem vermerkt ist, dass die Zollkontrolle erledigt ist. Anmerkung: In Kos findet erstaunlicherweise keine Zollkontrolle statt, in Rhodos dagegen schon.
2. Station: Passpolizei. Die Pässe werden kontrolliert, eine Crewliste ist auszufüllen, die abgestempelt und mit einem Begleitpapier für den Check-in bei der Port Police mitgegeben wird.
3. Station: Port Authority. Wenn die Yacht noch kein Pleasur Craft Traffic Document (das neue griechische Transitlog) hat muss dies hier gekauft und bezahlt werden (ca 30 EUR). Das großformatige feste 8-seitige Papier enthält auf der ersten Seite alle Daten zur Yacht und zum Skipper. Vorgelegt werden müssen:
- das gültige Versicherungspapier der Yacht
- das Schiffszertifikat
- die Lizenz des Skippers
- die von der Passpolizei abgestempelte Crewliste
- das Zollpapier
Ohne diese Dokumente wird keine Pleasur Craft Traffic Document ausgefüllt.

Im Innenteil des Dokuments gibt es
100 Stempelfelder, jeweils zwei für einen Hafenbesuch - eines für den Stempel beim Ankommen und eines für den Stempel beim Abfahren. Offiziell soll in jedem griechischen Hafen gestempelt werden. Inoffiziell wird das aber nur in den wenigsten Häfen praktiziert. Auf einem 14-Tage-Törn nach Athen wurde das Papier nur dreimal verlangt.

Bei der Port Police wird eine Fotokopie der Crewliste aufgewahrt und eine Gebühr für das Ankommen (nach Größe der Yacht) und das Abfahren kassiert. Für ein 49 Fuß Yacht beträgt die Gebühr meist um 3 EUR pro Nacht und -.88 Cent für Stempel bei der Abfahrt. Für beide Gebühren wird ein Beleg ausgestellt. Die Crewliste wird mit dem Pleasur Craft Traffic Document dem Skipper übergeben.
Das gesamte Procedere mit Schreiben aller Belege und Eintragungen dauert ca 45 Minuten. "Take the yellow flag down, you are free to go!" heisst es zum Abschied.

Von Griechenland in die Türkei:
Beim Verlassen der griechischen Gewässer ist das Procedere das gleiche: Zuerst mit den Pässen zur Hafenpolizei und dann zur Port Police. Im Pleasur Craft Traffic Document wird der türkische Zielhafen eingetragen, man zahlt die Gebühren - fertig.

Das Pleasur Craft Traffic Document gilt bis alle 100 Stempelfelder au üllt sind, das kann mehrere Jahre dauern. Auch wenn man das Land verlässt und wieder kommt, behält das Dokument seine Gültigkeit.
Das Papier bleibt beim Verlassen der griechischen Gewässer an Bord - bis zum nächsten Besuch. Charteryachten können es also innerhalb einer Saison immer wieder verwenden. Wer nach Griechenland segelt, sollte seinen Vercharterer fragen, ob das Dokument an Bord ist und somit die 30 EUR sparen.

Beim Einklarieren in den nächstgelegenen türkischen Port of Entry läuft das Procedere folgendermaßen ab:

1. Station Hafenmeister: Dort kauft man ein neues Transitlog für 30 EUR und füllt es aus mit den Angaben zu Schiff, Skipper, Eigner und Crew. Der Hafenmeister drückt seinen Stempel darauf, behält eine Kopie für sich - fertig.
2. Station Hafenarzt gleiches Procedere wie beim Ausklarieren: die Yacht wird im Computer erfasst; ein Stempel im Transitlog bestätigt, dass dies erfolgreich stattgefunden hat.
3. Station Passpolizei: Kontrolle der Pässe, Eingangsstempel in die Pässe und ins Transitlog- fertig.
4. Station Zoll: Stempel - fertig. Achtung: Am Wochenende nicht in Kas einklarieren, da das Zollamt geschlossen ist und man entweder bis Montag warten muss oder eine Überstundengebühr von ca 100 EUR zahlen muss, wenn der Zöllner vom Angeln geholt werden muss. Dies fällt nicht unter Bakschisch sondern ist offizielles Zollgesetz, da es in Kas keine Marina gibt, die den Zoll verpflichtet auch übers Wochenende die Büros offen zu halten (Zollgesetz 4458 Artikel 819 bis 823). Tipp: Der informierte Yachtskipper klariert deshalb NIE am Wochenende in Kas ein!

Für eine griechische Charteryacht unter griechischer Flagge von Griechenland kommend gilt folgende Regel (anstatt der früher üblichen 250 $): Der Skipper kauft ein Transitlog für 30 $ beim Hafenamt. Dies wird von Passpolizei, Zoll, Hafenamt und Doktor abgestempelt. Beim Hafenamt zahlt man außerdem pro Person 10 $ und je nach Netton eine sogenannte Leuchtturmgebühr. Bis 9,9 Net-Ton keine, ab 10 Net-Ton pro anzulaufendem Hafen 5,80 YTL (neue türk. Lira; Kurs zur Zeit ca 1 EUR: 1,8 YTL), bei drei Häfen, 3 x 5,80 = 17,40 YTL. Damit kann man von türk. Hafen zu türk. Hafen und von Bucht zu Bucht segeln. Geht es zurück nach GR wird das Prozedere rückwärts abgespult: Passpolizei, Zoll, Doktor und Hafenamt. Dort noch mal 10 $ pro Person - fertig. Die Regeln für die Leuchtturmgebühr können von Hafen zu Hafen anders sein. Manchmal wird eine Pauschale erhoben, manchmal pro Person gerechnet.

Bitte beachten: In beiden Ländern werden die Regeln immer mal wieder geändert. Was heute gültig ist, kann morgen schon wieder ganz anders sein. Wer ganz sicher gehen will, erkundige sich vor dem Törn über den aktuellen Stand und entscheide sich ob er wechseln will. Die Charterunternehmen wissen, ob und wo Länderwechsel aktuell problemlos möglich ist.

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